Diesmal mit Verbraucherhinweis, kopiert aus dem Spiegel

Anbieter bewerben schnelle Breitbandanschlüsse, doch oft ist die reale Surfgeschwindigkeit niedriger als versprochen. Wie checkt man, ob das Tempo so hoch ist wie zugesagt?
Internetnutzer in Deutschland erhalten nur selten die gebuchten Geschwindigkeiten. Das geht aus dem Jahresbericht zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur (BNetzA) hervor. Die Ergebnisse ähneln denen aus dem Vorjahresbericht.
71,3 Prozent der Anschlussinhaber, die ihre Werte übermittelten, kamen dem Bericht zufolge auf mindestens die Hälfte des versprochenen Tempos. Die mit dem Anbieter vereinbarte Maximalgeschwindigkeit oder mehr erhielten nur 12,8 Prozent.
Die durchschnittlich niedrigsten Werte im Vergleich zur vermarkteten Geschwindigkeit wurden im Bereich der DSL-Anschlüsse gemessen, die laut Werbung mindestens acht, aber weniger als 18 Megabit pro Sekunde liefern sollen.

Die Lage beim Mobilfunk ist nicht besser
Im Mobilfunk sind die Abstände noch größer: Nur bei 16,1 Prozent der Messungen kamen Kunden auf mehr als die Hälfte der vereinbarten Maximalgeschwindigkeit. Mehr Tempo als vereinbart gab es nur bei 1,5 Prozent der Messungen.

"Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden erneut oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen in Aussicht gestellt wurde", kritisierte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Obwohl die Ergebnisse bei einzelnen Bandbreiten und zwischen den Anbietern unterschiedlich ausfallen, zeigen sie, dass es nach wie vor Handlungsbedarf bei den Breitbandanbietern gibt." Die Bundesnetzagentur hatte für den Bericht etwa 900.500 Messvorgänge von Festnetz- und knapp 385.000 Messungen von Mobilfunkanschlüssen ausgewertet, die zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 über den Breitbandmessungsdienst der Netzagentur durchgeführt wurden.

Online-Geschwindigkeitstest
Jeder kann auf der Webseite breitbandmessung.de oder per Desktop-App selbst prüfen, ob die Internetgeschwindigkeit dem Versprechen des Anbieters entspricht. Damit die Messung gültig ist, müssen Nutzer mindestens 20 Messungen an zwei verschiedenen Tagen vornehmen. Der Computer sollte dabei per LAN-Kabel mit dem Router verbunden sein, sodass WLAN-Störungen als Ursache für langsame Übertragungsgeschwindigkeiten ausgeschlossen werden.

Zu langsam ist nach Angaben der Bundesnetzagentur ein Anschluss, der:

  • nicht an zwei Messtagen jeweils mindestens einmal 90 Prozent der vertraglich vereinbarten Maximalgeschwindigkeit erreicht.
  • die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90 Prozent der Messungen erreicht.
  • die Minimalgeschwindigkeit, die der Anbieter im Vertrag versprochen hat, an mindestens zwei Messtagen nicht erreicht.

Die Datenübertragungsrate bei Mobilfunkanschlüssen lässt sich mit einer App für Android und iOS erfassen und dokumentieren.

Liegt die Geschwindigkeit des Anschlusses deutlich hinter dem Werbeversprechen zurück, sollten sich Kunden dem Portal "Verbraucherzentrale" zufolge zuerst an ihren Anbieter wenden und eine Nachbesserung verlangen. "Ändert sich nach wiederholter Aufforderung nichts, können Sie fristlos kündigen und gegebenenfalls sogar Schadensersatz verlangen", so die Verbraucherzentrale.