Transparente, elektrische Boliden, die auf der Strecke ihre Form ändern, von KI unterstützte Fahrer, denen die Fans beim Lenken zuschauen können: Das britische Unternehmen McLaren hat ein futuristisches Konzept für die Formel 1 vorgestellt.

Aktuell hat McLaren in der Formel 1 nichts zu melden. Das hindert die Briten aber nicht daran, sich Gedanken zu machen, wie die Königsklasse des Motorsports Mitte des Jahrhunderts aussehen könnte: elektrisch, technisch und spektakulär. Und vielleicht fährt der Traditionsrennstall dann ja auch wieder ganz vorne mit.

Seit einigen Jahren fahren die Formel-1-Boliden mit Hybridmotoren - nicht immer zur Freude von Fans und Fahrern. 2050 aber, so sind die Vordenker von McLaren überzeugt, werden die Fahrzeuge gar keine Verbrennungsmotoren mehr an Bord haben, sondern komplett elektrisch fahren.

Kein Wunder: McLaren liefert seit der aktuellen Saison die Akkus für die Elektrorenner der Formel E. Doch diese Technik wird dann eine weniger große Rolle spielen: Die Fahrzeuge sollen während des Rennens über Induktionsschleifen in der Strecke mit Strom versorgt werden. Das Konzept haben die Organisatoren auch für die Formel E auf dem Plan. Der Rennsport könnte laut McLaren ein gutes Testfeld einer solchen Technik für den Straßenverkehr sein.

Anders als bisher will McLaren in Zukunft eine aktive Aerodynamik einführen: Mit einer Geschwindigkeit von 500 km/h sollen die Boliden ganz stromlinienförmig die Geraden entlangflitzen. In den Kurven sollen dann Flügel ausgefahren werden, die für den Abtrieb und Stabilität sorgen. Aktuell ist das einzige aktive Element der sich öffnende Heckflügel, das sogenannte Drag-Reduction-System (DRS), das mehr Überholvorgänge ermöglichen soll.

Für die Fahrer bedeutet das eine höhere Belastung. Künstliche Intelligenz (KI) soll sie deshalb während des Rennens unterstützen. "Der Motorsport könnte zu einem Brutkasten für die Entwicklung von KI ebenso wie für Simulationen, Big Data und Materialwissenschaften werden", teilte McLaren mit.

Am Ende könnte die KI die Fahrer sogar ersetzen: "Wir werden in der Zukunft an den Punkt kommen, an dem der menschliche Einfallsreichtum durch einen KI-Algorithmus ersetzt wird", sagt Karl Surmacz, Head of Modeling and Decision Science bei McLaren Applied Technologies. "Maschinelles Lernen würde menschliche Vorlieben und Entscheidungen, unsere Fachkompetenz und unseren Instinkt erfassen. Wenn man genug Beispiele für unsere kreativen Prozesse und Ergebnisse hat, könnte das in einem Algorithmus verarbeitet werden, der es der KI ermöglichen würde, kreative Entscheidungen in Übereinstimmung mit denen eines Menschen zu treffen."

Showeffekte sollen die Rennen attraktiver machen: So sollen die Boliden eine transparente Front bekommen, damit die Fans die Fahrer besser sehen und ein Gefühl dafür bekommen, wie diese am Steuer arbeiten müssen, um das Fahrzeug auf der Strecke zu halten. Für mehr Spannung sollen auch die Strecken sorgen. So sollen beispielsweise Steilkurven wie einst in Monza zurückkommen. Die Strecken sollen aber nicht nur spektakulärer, sondern auch länger werden. Wegen der höheren Geschwindigkeiten werden die Rundenzeiten trotzdem nicht länger.

Für das Konzept MCLExtreme (MCLE) hat McLaren nach eigenen Angaben zuerst Fans nach ihren Wünschen und Vorstellungen befragt. Basierend auf den Ergebnissen haben dann McLarens Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen das MCLE-Konzept erstellt.

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